Ansichten XXXII
"Kunst-Design?"

24. Nov. 2018 - 23. Feb. 2019
Vernissage:
SAMSTAG, 24. Nov. 2018, 17 Uhr





Öffnungszeiten:
Do / Fr / Sa 17 -19 Uhr, 
und nach Vereinbarung

 

 

 

 

 

 

 

Z U R Ü C K

Ansichten XXXII - "Kunst-Design?"

kuratiert von Harald Bichler I Wien

Beteiligte KünstlerInnen:
Gilbert Bretterbauer, Jakob Gasteiger, Bernhard Hausegger, Hans Kupelwieser, Bert Löschner,
Anna Paul, Elisabeth Penker, Patrick Rampelotto, Mareike Schnabl, Gisela Stiegler,
und einer Arbeit aus der Sammlung von Michael Craig-Martin.

In den späten 1970er Jahren begann Craig Martin in einfacher Linienführung mit einem feinen Linienzug Alltagsgegenstände zu konturieren und entwickelte damit seine künstlerische Sprache. In den 1990er Jahren begann er mit (grellen) Farben zu arbeiten und damit die Leinwände zu grundieren, auf denen er seine Zeichnungen aufbrachte. Seine Zeichnungen zeigen nicht den Menschen, sondern die menschgeschaffenen Objekte, mit denen der Mensch agiert. Craig zeichnete die Objekte, die er als Modell in seinem Atelier aufstellte, bis in den 1990er Jahren die Computertechnik
ihm Fotografien der Objekte bereitstellte, die er nun mit der Maus bearbeitete.
Allerdings hätten einige Objekte bereits ihr funktionales Aussehen verloren: einem Telefon sehe man seit Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr an, dass es zum Sprechen und Hören dient.
Craig Martin braucht die Lust zum Arbeiten. Lust muss nicht unbedingt Freude oder Spaß bedeuten, es kann auch Langeweile sein.
In heutiger Zeit, eine Zeit in der die Lust an Kultur verloren gegangen scheint ist es umso wichtiger neue Formen des Dialoges zu finden, kulturelle Lösungen für die Zukunft um die Neugier und die Freude am Neuen wieder zu schüren.
Ein Teilaspekt der Kultur sind die Kunst und das Design. Die Verquickung jener Bereiche scheint im ersten Moment seltsam, da das eine mit dem anderen nichts zu tun haben scheint.
Diese Trennung des philosophisch Nützlichen vom gebräuchlich Nützlichen prägen unser Denken bis heute.
Angesichts der politischen, wirtschaftlichen und Glaubenskrisen der letzten Jahre führt uns ein möglicher Weg wieder hin zum Interdisziplinären. Isoliert, im jeweiligen Genre begonnen, begann vor einigen Jahren ein, salopp gesagt, „ein über den Tellerrand hinausschauen“. Ein noch zarter Versuch die Reinkultur eines Bereichs hinter sich zu lassen und Querverbindungen mit anderen Welten aufzubauen. Als Beispiele zu nennen wären Donald Judd, Oswald Oberhuber, Ron Arad oder Peter Weibel, um nur einige zu nennen. Sie verstanden oder verstehen es positive Irritationen in uns zu erzeugen wo wir gezwungen werden unsere Blickwinkel zu verändern. Was ist das? – Kunst oder Design? Craig Martin bedient sich dieser Prozesse und wir auch.
Bei Craig Martin wird das Gebrauchsobjekt durch einen künstlerischen Prozess, in diesem Fall, durch Einbettung bzw. Hinführung in die bildhafte zweidimensionale Ebene fast schon zur Ikone stilisiert. Warhols „Campbell’s Soup Cans“ (1962), Man Rays „Cadeau“ (1921), Arne Jacobsen Stuhl Mod. 3107 (1951), Thonet Kaffeehaus Stuhl (1906).

Parallel suchen die Künstler/Entwerfer Gilbert Bretterbauer, Jakob Gasteiger, Bernhard Hausegger, Hans Kupelwieser, Bert Löschner, Anna Paul, Elisabeth Penker, Patrick Rampelotto, Mareike Schnabl, Gisela Stieglerden Weg hin zur Skulptur. Wie Martin schaffen die Künstler/Entwerfer grenzwertige Objekte, die teilweise eine Pop-Ästhetik abbilden und jeder in seiner eigenen künstlerischen Sprache den Schnittpunkt Kunst/Design aufarbeitet.
Dort wo diese Form der Eindeutigkeit, ein im Bild dargestelltes Objekt ist doch nur ein Abbild einer imaginären Gebräuchlichkeit, sich auflöst und die berechtigte Frage an den Betrachter stellt, ob es sich bei der Skulptur um ein reines Kunstobjekt, ein Gebrauchsobjekt oder um etwas anderes handelt. Genau hier betreten wir das Feld der Entgrenzung zwischen Kunst und Design und finden uns am Ziel unserer Suche, in der Verquickung der Disziplinen, der Lust am Unbekannten.
© Harald Pichler